Werkstattbereich

SOZIALES und KULTURELLES

„Das Begehren ist das Begehren des Anderen.“

Jacques Lacan

Wenn das Soziale das Zusammenleben und die Verbindung der Menschen in verschiedenen Gruppen, Schichten und Klassen, als Gesellschaft und die Verhältnisse der verschiedenen Gesellschaften zueinander, in Verbindung mit den darin für die Einzelnen, wie für die Gemeinschaften wirksamen ökonomischen und politischen Machtstrukturen umfasst 

Und wenn das KULTURELLE alle praktischen, gestaltenden, technischen, künstlerischen und geistigen Leistungen der Menschen in ihrer Auseinandersetzung mit der Welt, sowohl in der Geschichte, wie im Aktuellen beinhaltet,

Wie stehen dann diese verschiedenen Bedingtheiten des Lebens der Menschen zu einander im Verhältnis?

Im Seminar XX Encore bemerkt Lacan zu jenem Verhältnis von Sozialem und Kulturellem: 
„Die Kultur als unterschieden von der Gesellschaft, das existiert nicht. Die Kultur, das ist justament, dass es uns hält. Wir haben sie nur noch auf dem Rücken wie eine Plage, denn wir wissen nicht, was mit ihr anfangen, es sei denn, uns von ihr zu entlausen. Ich, ich rate Ihnen sie zu behalten, denn das kitzelt und das weckt. Das wird ihre Gefühle wecken, … unter dem Einfluss der Umstände, d. h. dessen, was die anderen, die danach kommen werden, Ihre Kultur nennen werden. Das wird für sie Kultur geworden sein, weil Sie dann schon lange drunten sein werden und mit Ihnen all das, was Sie stützen an sozialen Band.“

Lacan fährt fort: „Letztlich gibt es nur das, das soziale Band. Ich bezeichne es mit dem Ausdruck Diskurs, weil es kein anderes Mittel gibt, es zu bezeichnen, wenn man einmal bemerkt hat, dass das soziale Band sich nur so einrichtet, dass es sich in der Art und Weise verankert, in der die Sprache sich situiert und sich einprägt, sich situiert auf dem, was grummelt, nämlich das sprechende Sein«. (Lacan, J., Das Seminar. Encore, XX (1972–1973), übers. v. Norbert Haas u.a., Weinheim 1991, S.60.)

Das bedeutet, dass ein jeweils von einem Diskurs getragenes soziales Band die Mitglieder einer Gruppe, einer Gemeinschaft in einer horizontalen Ebene miteinander verbindet und dass diese Gruppen im Verhältnis zueinander als Gesellschaft und die Verhältnisse der verschiedenen Gesellschaften zueinander, mit all ihren Institutionen der Macht, in einer vertikalen Richtung durch jeweils spezifische Diskurse miteinander verbunden, verflochten und gleichzeitig abgegrenzt sind.

Das jeweilige soziale Band kann sich Lacan zufolge (siehe Seminar XVII) auf unterschiedliche Weise, auf unterschiedlichem „Gegrummel“, entweder als Diskurs des Herren, (des Kapitalisten), der Universität, des Hysterischen oder des Analytikers situierten, einrichten und verankern, die somit als grundlegende Diskursformen das Geflecht des sozialen Bandes strukturieren. 

Das Voranstehende möchte als ein erster Wurf verstanden werden, der den Werkstattbereich des SOZIALEN und KULTURELLEN mit der Einladung eröffnet, seine Perspektiven zu erweitern und mit anderen Ansätzen zu bereichern.

Veranstaltungen:

Kontakt: Eckhard Bär | Moselweg 27 | 34131 Kassel | Tel. 0160 96 96 64 94 oder 0561 31 38 42